Cat's Taste - Weil Katzen etwas Besonderes sind

Freitag, 26. Mai 2017

Kastration - Notwendig oder nicht?

Kastration bei Katzen


Immer wieder wird das Thema „Kastration“ heiß diskutiert. Wenn man sieht, wie oft unerwünschter Katzennachwuchs ausgesetzt oder getötet wird, ist es nur allzu verständlich, dass Tierschützer eine genauere Kontrolle der Einhaltung der Kastrationspflicht fordern.

Leider gibt es immer noch viele Katzenhalter, die verantwortungslos handeln und ihre Katze oder ihren Kater unkastriert in den Freigang entlassen.

Ich für meinen Teil bin auch der Meinung, dass es bereits genug Katzen gibt, die im Tierheim oder auf Pflegestellen ihr Dasein fristen müssen und somit jeder Katzenhalter seine Tiere kastrieren lassen sollte.

Neben dem moralischen Aspekt, steht für mich aber auch noch das Thema Gesundheit im Fokus:
Unkastrierte Katzen werden mit Eintritt der Geschlechtsreife rollig. Je öfter eine Katze jedoch rollig aber nicht begattet wird, desto kürzer werden die Ruhephasen zwischen einer Rolligkeit und der nächsten. Das heißt, die Katze ist immer öfter paarungsbereit, bis es irgendwann zur sogenannten „Dauerrolligkeit“ kommt. Neben dem mentalen Stress, den die Katze in dieser Zeit hat, ist aber auch erwiesen, dass unkastrierte Katzen häufiger an Erkrankungen der Geschlechtsorgane leiden (z.B. Zysten und/oder Tumore an der Gebärmutter). Katzenhalter die die einmaligen Kosten einer Kastration scheuen sollten sich somit vor Augen führen, dass gesundheitliche Spätfolgen noch viel teurer kommen können.


Wann ist das ideale Alter für eine Kastration?

In diesem Punkt scheiden sich die Geister ein wenig. Früher hieß es, man müsse zwingend den Eintritt der Geschlechtsreife abwarten, um seinen Stubentiger kastrieren zu können.
Diese Meinung verfechten immer noch viele (auch junge) Tierärzte. Auch meine Tierärztin war der Meinung, ich solle die erste Rolligkeit abwarten.

Andere Tierärzte sind der Meinung, je früher man eine Katze kastrieren lässt, desto besser steckt sie die OP weg. Viele Züchter führen die Kastration sogar schon vor der 12. Woche durch, sodass der neue Besitzer sich mit diesem Thema gar nicht mehr herum schlagen muss. Außerdem wird so eine unkontrollierte Vermehrung mit Zuchtkatzen gleich mit eingedämmt.

Der Züchter von dem ich Campino holte war ebenfalls der Meinung, man solle bis zum Eintritt der Geschlechtsreife mit der Kastration warten.
Ich persönlich habe keine Erfahrungswerte mit Frühkastrationen, finde aber sowohl die Standpunkte der Befürworter als auch die der Gegenstimmen durchaus plausibel und gerechtfertigt.
Für mich spielte bei der ganzen Geschichte noch ein anderer Aspekt eine Rolle, wodurch ich mich zu einer Kompromisslösung entschloss. Campino war von Anfang an ein schüchternes Katzentier, neue Situationen, gravierende Veränderungen in der Wohnung oder im Tagesablauf oder die Konfrontation mit fremden Menschen verunsichern sie. Da sie relativ viel Zeit benötigt hat um wirklich Vertrauen zu ihren Bezugspersonen zu fassen, wollte ich sie nicht unmittelbar nach ihrem Einzug mit einem ganztägigen Klinikaufenthalt und dem damit verbundenen Stress konfrontieren. Deshalb beschloss ich mindestens 4 Monate abzuwarten bevor ich das Thema „Kastration“ in Angriff nahm, egal ob Campino in der Zwischenzeit rollig würde oder nicht.
Letztlich habe ich sie mit knapp 8 Monaten kastrieren lassen, ohne die erste Rolligkeit abzuwarten und sie hat die OP bestens überstanden.

Katzenbesitzer die ihren Tieren Freigang gewähren können und wollen, würde ich allerdings eher zu einer früheren Kastration raten, da die Tiere sonst bis zur erfolgten OP im Haus bleiben müssen und dies für alle Beteiligten zu einer sehr stressigen Situation werden kann.


Ist „Kastration“ und „Sterilisation“ das Gleiche?

Früher hat man umgangssprachlich gesagt, die Katze wird sterilisiert und der Kater kastriert. Eine Formulierung, die sich bis heute hartnäckig hält. Tatsächlich gibt es aber zwischen der Sterilisation und Kastration einen medizinischen Unterschied.
Während bei der Sterilisation die Ei- bzw. Samenleiter von Katze oder Kater „abgeklemmt“ werden, werden die Eierstöcke bzw. Hoden bei einer Kastration komplett entfernt. Man spricht in diesem Fall sowohl beim Kater als auch bei der Katze von einer Kastration oder Sterilisation. 

Grundlegend verhindert die Sterilisation allerdings nur die Zeugung von Nachkommen. Der Kater kann also die Katze nicht mehr befruchten, die Katze kann nicht mehr trächtig werden. Hormonell ändert sich im Körper jedoch nichts. Der Kater wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit, sobald die Geschlechtsreife eintritt, sein Revier mit Urin markieren, Revierkämpfe austragen und sich auf die Suche nach paarungsbereiten Katzen machen. Nach der Sterilisation bleiben diese Instinkte erhalten, lediglich die Zeugungsfähigkeit ist unterbunden (was das Tier natürlich nicht wissen kann).

Auch Katzen werden nach der Sterilisation weiterhin rollig, was für Tier und Mensch zu einer nervenaufreibenden Situation werden kann.
Aus diesem Grund werden heute Sterilisationen kaum noch durchgeführt, ein verantwortungsbewusster Tierarzt wird den Patientenbesitzer, wenn dieser von einer Sterilisation spricht, über die Unterschiede aufklären und zu einer Kastration raten.


Kastration - Ablauf und Kosten

In Österreich war ich eigentlich zum ersten Mal seit langer Zeit, durch Campino mit dem Thema „Kastration“ konfrontiert. In Deutschland hatten wir auch immer wieder Katzen die kastriert werden mussten, allerdings war dort der Ablauf völlig anders als in Österreich.

In Deutschland brachten wir unsere Katzen zum Tierarzt, begleiteten das Tier bis es in Narkose lag und holten es noch schlafend wieder ab.
In Wien wurde mir von meinem damaligen Tierarzt erklärt, ich müsse Campino früh morgens in die Praxis bringen, im Laufe des Vormittags würde die OP durchgeführt und am Nachmittag könne ich sie dann abholen. Anscheinend ist es zumindest in Wien üblich, das Tier nach der Narkose noch ein paar Stunden unter Beobachtung zu halten, um die Vitalfunktionen zu überwachen.
Mir widerstrebte dieser Ansatz ein wenig, da ich Campino eigentlich nicht den ganzen Tag in der Praxis lassen wollte, auch wenn ich es grundlegend begrüße, dass die Ärzte das Tier beim aufwachen begleiten und somit einschreiten können, sollte es zu Komplikationen kommen. 
Also rief ich in zwei weiteren Tierarztpraxen und einer Kleintierklinik an, die mir den Prozess genauso erklärten wie mein Tierarzt. Schlussendlich viel meine Wahl auf die veterinärmedizinische Uniklinik, dort hatte ich beim telefonischen Vorgespräch das beste Gefühl. Ich beschloss also, die Kastration dort durchführen zu lassen.

Ich brachte Campino also morgens in die Klinik, erhielt am späten Nachmittag einen Anruf und durfte sie sofort danach abholen.
In der Klinik erhielt ich dann noch Spritzen mit einem Schmerzmittel und Entzündungshemmer, das ich unter das Futter mischen oder direkt ins Maul geben sollte. Eine Woche später sollte ich dann wieder in die Klinik kommen um die Fäden ziehen zu lassen.

Alles in allem war ich mit dem Ablauf in der Klinik sehr zufrieden, Campino ist gut behandelt worden, das Personal war freundlich und erklärte alle Abläufe sehr ausführlich.
Für die Kastration habe ich 50€ bezahlt, inkl. Medikamenten, Trichter und der Nachbehandlung (also Fäden ziehen und Wundkontrolle).

Von anderen Katzenhaltern habe ich allerdings gehört, dass die Preise sehr stark schwanken können. Vor allem zwischen ländlichen Gebieten und Großstädten wie Wien gibt es massive Unterschiede. Meine damalige Tierärztin hätte ca. 180€ für die OP verlangt, in einer Kleintierklinik, die ich ebenfalls anrief um den Ablauf zu erfragen, hätten sie 150€ veranschlagt. 
Die Kosten waren für mich allerdings nicht ausschlaggebend, ich wollte in die Klinik/Praxis wo ich mich am Besten aufgehoben fühlte. Die VetMed in Wien, hatte mir ursprünglich ebenfalls einen Preis von ca. 150€ genannt, als ich dort ankam bot man mir an, Campino an einer Studie teilnehmen zu lassen (es sollten lediglich die Vitalfunktionen während der OP gespeichert und später anonymisiert verwendet werden), wodurch sich der Preis dann schlussendlich um 100€ reduzierte.

Es kann also durchaus Sinn machen, mehrere Ärzte zu kontaktieren und die Kosten zu erfragen, da die Preisschwankungen teilweise enorm sind. Letztlich sollte aber nicht das billigste Angebot den Ausschlag geben, sondern die Tatsache, bei welchem Arzt man das beste Gefühl hat, denn auch eine Routine-OP birgt ein gewisses Restrisiko.



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